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Kultur
30.07.2026

Was hinter Medaillen, Muskeln und Millionen wirklich steckt

Bild: zvg
Vom Spitzensport bis zum Körperkult: Das Stadtmuseum Aarau beleuchtet ab 22. August Sport aus vier gesellschaftlichen Perspektiven.

Sport ist weit mehr als Bewegung und Wettkampf. Mit der Ausstellung «Sport – was uns bewegt» widmet sich das Stadtmuseum Aarau vom 22. August bis zum 7. März 2027 der gesellschaftlichen Bedeutung des Sports. Im Mittelpunkt stehen die vier Themen Podestjagd, Körperkult, Teamgeist und Schaulust. Historische Sportfotografien aus dem Ringier Bildarchiv werden dabei mit Geschichten und Erfahrungen von aktuellen Athletinnen und Athleten verbunden.

Was es braucht, um ganz nach oben zu kommen

Im Bereich «Podestjagd» beschäftigt sich die Ausstellung mit der Frage, was sportlichen Erfolg tatsächlich ausmacht. Talent allein reicht nicht. Training, finanzielle Möglichkeiten, Förderung und mentale Stärke können ebenso entscheidend sein.

Zu Wort kommen verschiedene Athletinnen und Athleten. Eishockey Nationaltorhüter Reto Berra spricht über den Alltag im Spitzensport, Leistungsdruck und Rückschläge. Ergänzt werden diese Einblicke durch Interviews mit den erfolgreichen Aargauer Sportlerinnen und Sportlern Valentina Rosamilia, Robin Gemperle, Leonie Wieland, Nora Meister und Scott Bärlocher. Auch das mentale Training von Langläuferin Nadine Fähndrich wird thematisiert.

Die Ausstellung zeigt zudem die Entwicklung der Schweizer Sportförderung vom militärisch geprägten Turnunterricht bis zum heutigen Spitzensportsystem. Thematisiert werden aber auch Hürden auf dem Weg nach oben. Dazu gehören finanzielle Unterschiede und der sogenannte relative Alterseffekt. Statistisch haben demnach im Januar Geborene bessere Chancen auf eine Profikarriere als im Dezember Geborene.

Zwischen Fitness und Körperideal

Unter dem Titel «Körperkult» richtet das Stadtmuseum den Blick auf Gesundheit und die Vorstellungen vom sportlichen Körper. Die Ausstellung spannt dabei einen Bogen von der Heilgymnastik des 19. Jahrhunderts über Vitaparcours, Aerobic und Yoga bis zu Fitness Apps und Wii Sports.

Gleichzeitig geht es um die Frage, weshalb Menschen trotz guter Vorsätze keinen Sport treiben. Neben Motivation können auch fehlende Zeit, finanzielle Mittel oder mangelnde Angebote eine Rolle spielen. Weitere Themen sind Überforderung im Sport, historische Missstände im Frauenkunstturnen und Körperbilder in sozialen Medien.

Vereine schaffen Gemeinschaft

Sport kann auch Zugehörigkeit schaffen. Im Ausstellungsteil «Teamgeist» stehen deshalb Vereine, Gemeinschaft und freiwilliges Engagement im Zentrum. Hunderttausende Freiwillige bilden laut dem Stadtmuseum eine wichtige Grundlage des Schweizer Sports.

Der historische Blick führt dabei auch nach Aarau. Am ersten Eidgenössischen Turnfest 1832 in Aarau nahmen ausschliesslich bürgerliche Männer teil. Erst ab 1991 durften Frauen gemeinsam mit Männern turnen.

Die Ausstellung thematisiert zudem heutige Zugangshürden. Anhand verschiedener Beispiele geht es um Geschlecht, Herkunft, sexuelle Orientierung, Parasport und die Situation von Geflüchteten. Auch Initiativen wie SPORTEGRATION, die den Zugang zum Sport erleichtern wollen, werden vorgestellt.

Wie Medien den Sport verändern

Im vierten Bereich «Schaulust» geht es darum, wie Sport überhaupt zu einem öffentlichen Erlebnis wird. Das Stadtmuseum zeigt, dass Medien, Journalismus und wirtschaftliche Interessen mitbestimmen, welche Sportarten und Persönlichkeiten Aufmerksamkeit erhalten.

Als Beispiel dient unter anderem die Eishockey Weltmeisterschaft 2026 in Zürich und Fribourg. Übertragungsrechte gehören heute zu den bedeutenden Einnahmequellen des Profisports. Gleichzeitig verändern sich Sportarten, um für Fernsehen und digitale Plattformen attraktiver zu werden.

Auch Sponsoring und Social Media spielen eine Rolle. Am Beispiel von Ovomaltine wird gezeigt, wie Marken über Jahrzehnte Teil der Schweizer Sportkultur geworden sind. Freeskier Andri Ragettli steht wiederum für eine Generation von Athleten, die über soziale Medien selbst ein Millionenpublikum erreichen können. Aufmerksamkeit wird damit zunehmend zu einem wirtschaftlichen Faktor im Sport

Aarau24 (glb)
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