Stadt Aarau nimmt Angsträume am Bahnhof ins Visier
Die Stadt Aarau führt das Pilotprojekt «Urbane Sicherheit» rund um den Bahnhof weiter. Ziel ist es, sowohl die objektive als auch die subjektiv wahrgenommene Sicherheit zu verbessern und gleichzeitig ein dauerhaftes Management System für den öffentlichen Raum aufzubauen. Das Projekt läuft von 2025 bis 2027. Auslöser waren unter anderem die Ergebnisse des Stadtmonitorings. 44 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die Sicherheit in Aarau aus ihrer Sicht verschlechtert habe.
Unsicherheit nimmt am Abend zu
Eine umfassende Analyse zeigt, dass sich das Sicherheitsempfinden je nach Tageszeit und Ort stark unterscheidet. Insbesondere ab etwa 18 Uhr fühlen sich mehr Personen unsicher. Junge Frauen werden im Bericht als Gruppe genannt, die sich am Bahnhof besonders häufig unsicher fühlt. Als problematische Bereiche werden unter anderem der Haupteingang, der Bereich der Bushaltestellen, die Migrolino Treppe, die Einsteinpassage und die Hächlerhalle genannt. Bei Grossanlässen wie Fussballspielen ist das Sicherheitsempfinden laut Analyse zusätzlich beeinträchtigt.
Bei Spaziergängen mit Frauen, Jugendlichen und der allgemeinen Bevölkerung wurden ähnliche Orte genannt. Besonders die Einsteinpassage, die Hächlerhalle und die Velostation Süd wurden teilweise als dunkel, schmutzig oder unangenehm wahrgenommen. Die Hauptunterführung und die Lounge wurden dagegen überwiegend positiver beurteilt.
Offener Drogenkonsum und Lärm beschäftigen die Stadt
In der Analyse werden Lärm, öffentliches Urinieren und zunehmender offener Drogenkonsum als zentrale Probleme genannt. Auch Aggressivität und übergriffiges Verhalten gegenüber Passantinnen und Passanten seien teilweise beobachtet oder erlebt worden. Zudem wird festgehalten, dass die Präsenz grösserer Gruppen von Asylsuchenden oder sozial marginalisierten Personen bei gewissen Menschen Unsicherheit auslösen könne. Konflikte würden dabei häufig innerhalb oder zwischen verschiedenen Gruppen entstehen. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass der Bahnhof für sozial benachteiligte Menschen ein wichtiger Aufenthaltsort ist. In Expertengesprächen wurde deshalb auch der Wunsch nach alternativen Aufenthaltsmöglichkeiten mit einer Grundversorgung geäussert.
Stadtpolizei führt zivile Kontrollen durch
Ein Bestandteil der Sicherheitsmassnahmen ist die Aktion «Vigilantia». Dabei setzt die Stadtpolizei verstärkt zivile Polizeikräfte in neuralgischen Bereichen ein. Die Aktion richtet sich unter anderem gegen Drogenhandel, übermässigen Konsum und damit verbundene Kriminalität. Seit Anfang 2026 führt die Stadtpolizei solche zivilen Patrouillen regelmässig durch. Zusätzlich finden koordinierte Kontrollaktionen am Bahnhof und in dessen Umfeld statt.
Parallel dazu wurde die Zusammenarbeit innerhalb der Stadtverwaltung neu organisiert. Die Arbeitsgruppe Öffentlicher Raum soll die Tätigkeiten verschiedener Stellen koordinieren und aktuelle Entwicklungen im öffentlichen Raum beobachten. Bereits 2025 wurde zudem ein Eigentümerforum geschaffen, in dem sich Stadt und Eigentümerschaften rund um den Bahnhof austauschen.
Beleuchtung soll verbessert werden
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Gestaltung des Bahnhofumfelds. Bereits umgesetzt wurden kleinere Anpassungen. Dazu gehören eine hellere Farbgebung der Decke in der Hächlerhalle sowie Anpassungen an der Beleuchtung der Einsteinpassage. Weitere Verbesserungen sind vorgesehen. Die Treppenabgänge zur Hächlerhalle und zur Einsteinpassage sowie Rampen sollen heller beleuchtet werden. Im Zwischenbericht wurden dafür Kosten von rund 45'000 Franken für fünf Treppenabgänge veranschlagt.
Zukunft der Hächlerhalle wird geprüft
Auch die Hächlerhalle bleibt Teil des Projekts. Die unter der Bahnhofstrasse gelegene Halle wurde in der Analyse als einer jener Orte bezeichnet, die insbesondere am Abend von vielen Menschen gemieden werden. Die Stadt prüft deshalb unterschiedliche Möglichkeiten für die künftige Nutzung. Im Zwischenbericht war bereits vorgesehen, die Eignung für eine Velostation zu untersuchen. Gleichzeitig soll ein Konzept für die künftige Nutzung und Gestaltung erarbeitet werden.
Aktuell wird im Rahmen einer Studie geprüft, wie zusätzliche Velostellplätze oder eine Velostation im Bereich der Hächlerhalle realisiert werden könnten. Gleichzeitig untersucht die Stadt alternative Nutzungsmöglichkeiten für das Areal.
Pilotprojekt läuft bis 2027
Ab 2026 sollen die Massnahmen in den verschiedenen Handlungsfeldern laufend weiterentwickelt und umgesetzt werden. Ergänzend zum Stadtmonitoring ist ein eigenes Monitoring vorgesehen, mit dem die Wirkung der Massnahmen überprüft werden soll.
Ab 2027 soll der Pilot ausgewertet werden. Anschliessend soll entschieden werden, wie das Projekt weitergeführt wird. Bei einem erfolgreichen Verlauf könnte das entwickelte Management System später auch auf andere öffentliche Räume in Aarau übertragen werden.